Wermutkraut

Wermutkraut mit BlüteWermutkraut mit Blüte [Digifuture/depositphotos.com]

Wermutkraut – eine der wertvollsten Arzneipflanzen

Die strauchartige, zwischen 40 Zentimetern und einem Meter große Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler. Ihre Blätter sind silbrig-grau und filzartig behaart. Von Juli bis September entwickelt das Kraut eine Vielzahl gelber Blüten, aus denen sich später auch Früchte (Achänen) entwickeln. Wermutkraut wächst vor allem auf steinigen Böden, in sonnigen Lagen, vornehmlich in der Nähe von Wasserläufen. Der lateinische Name des Wermutkrauts ist Artemisia absinthium L. Der Volksmund nennt das Kraut häufig auch “bitteren Beifuß” oder Alsem.

Wermut gilt allgemein als Sinnbild für einen bitteren Geschmack, was sich beispielsweise in dem Ausdruck “Wermutstropfen” widerspiegelt. Tatsächlich verfügt Wermutkraut über einen vergleichsweise extrem hohen Anteil an Bitterstoffen. Wermut bildet die Grundlage für das zuweilen als bedenklich eingestufte Getränk “Absinth“.

Anbau und Ernte von Wermutkraut

Wermutkraut wächst in Mittel- und Südeuropa, aber auch in Nordafrika und Asien. In der Natur ist die Pflanze zumeist auf Ödland, an Wegrändern oder an steinigen Uferböschungen zu finden. Wermutkraut wird in einigen Gegenden als Feldkultur angebaut. Die Ernte erfolgt in aller Regel zum Zeitpunkt der Vollblüte, weil dann der Gehalt an Bitterstoffen am größten ist. Wermut gibt es im Fachhandel zumeist als getrocknetes, zerkleinertes Kraut aus konventionellem Anbau oder in BIO-Qualität zu kaufen.

Geschichtliches

Wermutkraut-Tee
Wermutkraut für den Tee

Beinahe jeder kennt den Spruch: “Wermut ist für alles gut.” Bereits im alten Ägypten und Griechenland wurde Wermutkraut aufgrund seiner appetitanregenden Wirkung bei Verdauungsbeschwerden und gegen Seekrankheit eingesetzt. Hippokrates pries Wermut als “Wundermittel bei nachlassendem Gedächtnis”. Überlieferungen zufolge pflanzte im 16. Jahrhundert beinahe jeder Haushalt Wermut im Garten an und nutzte ihn als Ungeziefer- und Mottenmittel. Hildegard von Bingen bezeichnete Wermut als einen “bedeutenden Meister gegen alle Erschöpfungen” und der berühmte Pfarrer Kneip empfahl Tee aus Wermutkraut gegen Ansteckungen und Magenprobleme. In der Volksmedizin wurde Wermutkraut lange Zeit bei verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden, bei zu schwacher oder unregelmäßiger Regelblutung, gegen Blutarmut und bei Wurmbefall eingesetzt.

Wermutkraut Inhaltsstoffe

Die physiologisch wirksamsten Stoffe im Wermutkraut sind die Sesquiterpenbitterstoffe und verschiedene ätherische Öle. Die Bitterstoffe schmecken in der Tat extrem bitter. Zu den wichtigsten wirksamen ätherischen Ölen zählen das Artemisinin und das Thujon. Letzteres kann gegen Krankheitskeime wirksam sein, in großen Mengen aber auch unerwünschte Nebenwirkungen, wie Benommenheit oder Kopfschmerzen auslösen. Deshalb ist beim Verzehr wermutkrauthaltiger Produkte Vorsicht geboten und die Dosierempfehlung einzuhalten.

Liste der Inhaltsstoffe von Wermutkraut:

  • Bitterstoffen aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone (0,15 – 0,4%)
  • vor allem Absinthin (0,2 – 0,28%)
  • Artabsin
  • Matricin
  • Anabsinthin
  • Ätherische Öle (0,2 – 0,8%)
  • (−)-Thujon
  • (+)-Isothujon
  • Thujylalkohol
  • Chamazulen
  • weitere Mono- und Sesquiterpene
  • verschiedene Flavonoide

Anwendung und Wirkung von Wermutkraut

Wermutkrauttee:

Die bekannteste Zubereitungsart von getrocknetem und entsprechend zerkleinertem Wermutkraut ist Tee. Weil das Kraut einen sehr starken Geschmack hat, empfiehlt es sich, zuerst kleinere Mengen Kraut (maximal einen Teelöffel pro Tasse) mit heißem Wasser zu übergießen und bedeckt 6 bis 8 Minuten ziehen zu lassen. Falls es noch zu bitter ist, lässt sich der Tee mit etwas Wasser problemlos verdünnen.  Nicht süßen (bitter und süß harmonieren wirklich gar nicht miteinander)! Dann in kleinen Schlucken trinken bei:

  • Appetitlosigkeit zur Anregung der Produktion von Verdauungssäften und damit des Magens
  • Verdauungsstörungen, indem die Fett- und Eiweißverdauung verbessert wird
  • Förderung des Gallenflusses nach gestörter Produktion oder Abfluss der Galle, was nach heftigen Krämpfen (Gallenkolik) der Fall sein kann

Haben Sie Probleme mit dem Magen und der Magenschleimhaut, dann trinken Sie den Tee ca. eine halbe Stunde vor dem Essen. Bei Gallenproblemen rät es sich, den Tee nach dem Essen als Digestif zu sich zu nehmen.

Kleiner Tipp: Mit etwas Pfefferminze schmeckt der Wermutkrauttee frischer!

Wermutkrauttee
Wermutkrauttee [©LianeM – Fotolia.com]

Kalter Wermut-Tee kann auch als Augenwasser gute Dienste leisten. Dafür darf er gern etwas konzentrierter sein, als der Tee zum Trinken. In den Aufguss getauchte, ausgedrückte Wattepads, die auf die Augenlider gelegt werden, wirken bei Entzündungen und gerötete Augen beruhigend.

Mancher Koch und manche Köchin verwendet Wermutkraut auch sehr gerne als Gewürz. Insbesondere schwer verdauliche Speisen, wie Gans, Schweinebraten oder Wild lassen sich mit Wermut geschmacklich verfeinern und werden zugleich bekömmlicher.

Mögliche Nebenwirkungen von Wermutkraut

Die Anwendung von Wermutkraut in bestimmungsgemäßer Dosis, d. h. pro Tag zwei bis drei Tassen Tee, gilt als unbedenklich.

Heute gilt die Wirksamkeit des Wermuts gegen Appetitlosigkeit bzw. allgemeinen Beschwerden im Verdauungstrakt als bewiesen. Auch die Anregung der Leberfunktion kann verbessert werden.

ACHTUNG: Schwangere Frauen sollten Tee oder andere Getränke, in denen Wermutkraut enthalten ist, dringend meiden! Obwohl das Risiko gering ist, könnten die Inhaltsstoffe doch einen schädlichen Einfluss auf die Entwicklung des Fötus haben. Schließlich wurde Wermut in der früheren Volksheilkunde zur Geburtseinleitung und zuweilen auch als Abtreibungsmittel verwendet.

Wichtiger Hinweis: Bei besonders heftigen oder lange andauernden Beschwerden empfiehlt es sich immer, vor dem Verzehr von Wermutkraut, einen Arzt zu konsultieren um ernsthafte Probleme, wie Gallensteine oder anderweitig behandlungswürdige Krankheiten des Magen-Darm-Traktes auszuschließen.

Wermutkraut-Pflanze
Wermutkraut-Pflanze [©Gerhard Seybert – Fotolia.com]

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3 Kommentare

  1. Der Wermutstropfen ist bitter 🙂 Tut gut aber schmeckt nicht so. Wie so vieles im Leben, da muss man durch.

  2. Marleen

    Hallo, ich finde Wermutkraut als Tee ja an sich gut, aber er schmeckt halt sehr bitter. Das ist jetzt keine Überraschung, aber was kann ich dagegen machen? Habe versucht den Wermutkraut Tee zu süßen. Aber egal ob mit Zucker oder Honig – das schmeckt mir überhaupt nicht!

    • Hallo Marleen, da hast du Recht. Der Tee schmeckt sehr bitter. Aber das liegt einfach in der Natur der Sache: Bitter tut dem Magen gut. Leider passen bitter und süß geschmacklich so gar nicht zusammen. Um den Geschmack etwas abzumildern können ein paar Minzblätter hinzugegeben werden. Ansonsten musst du da einfach durch. Wermutkraut Tee ist kein Genuss- sondern ein Heiltee.

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